| Rainer Splitt | |
| Ausstellung vom 15.1. - 12.3.2000 | |
geb. 1963 |
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| Schwarzer Farbguss. 1995, Polyurethan, ca. 180 x 220 x 2 cm | Ausgegossene Kästen(zweiteilig). 1998, Pigment, PUR, PVC, je 80 x 80 x 80 cm |
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"Farbgüsse" nennt Rainer Splitt seine farbig leuchtenden Bodenarbeiten, mit denen der 1963 in Celle geborene und heute in Hannover lebende Künstler bereits verschiedentlich hervorgetreten ist. Der Titel legt eine intensive Beschäftigung mit dem Phänomen Farbe und damit letztlich eine malerische Strategie nahe, auch wenn der Künstler sich selbst als Bildhauer versteht. In der Werkreihe der "Farbgüsse" schüttet der Künstler die Farbmaterie (Pigment und Kunstharz oder Polyurethan) auf dem Galerieboden aus, wobei sich der flüssige Werkstoff gewissermassen seine eigene Form sucht und sich im Prozess des Fliessens langsam verfestigt. Das Resultat sind grosse Lachen erhärteter Farbmasse beispielsweise auf grobem Industrie- oder feinstem Parkettboden. Obwohl sich die Güsse der jeweiligen Unterlage sanft anschmiegen, obwohl sich ihre Volumina nur minimal ausdehnen, gelingt es ihnen aufgrund ihrer strahlenden Leuchtkraft, ihrer physischen wie visuellen Präsenz, den Raum gleichsam visuell zu besetzen. Sie bilden materiell verortete monochrome Solitäre, also gewissermassen zur Betretung nicht freigegebene Leerstellen im Raum. Es ist indes weniger die Farbe als leuchtender Tonwert - im Englischen mit "colour" bezeichnet - denn als materielle Substanz, als "paint", der Rainer Splitts primäres Interesse gilt. In seinen raumgreifenden Farbfeldern, vor allem in den frei fliessenden Strukturen, untersucht er die Qualitäten der liquiden Materie, ihr Bewegungs-, Ausdehnungs- und Haftungspotential im Prozess des schnellen Ausgiessens und langsamen Durchtrocknens. So läuft das Material der kalthärtenden Polyurethan-Güsse bis an die Grenzen seiner synthetischen Kräfte richtungslos aus, bildet die Eigendynamik des Materials organische Formen, die sich an den Rändern in sanften Wülsten abschliessen. Die "Geste des Malen" reduziert sich dabei auf grundlegendste Bewegungen; auf das Ausgiessen von Farbe oder - im Falle der "Getauchten Tafeln" - auf das Eintauchen in Farbe. Rainer Splitt postuliert einen radikalen Gegenpol zu traditionellen malerischen Positionen, sein Schaffen orientiert sich vielmehr an der bildskeptischen Haltung der Minimal und Postminimal Art. Seine "Farbgüsse" mögen an die Schüttbilder des amerikanischen Farbfeldmalers Morris Louis oder die Land-Art-Arbeiten von Robert Smithson erinnern, seine "Getauchten Tafeln" das Auratische der Minimal Art evozieren. Kurz: sein Schaffen scheint sich fest in den künstlerischen Traditionen der sechziger Jahre zu verorten. Entscheidend bleibt indes, dass sich seine Werkstrukturen von den kunsthistorischen Traditionen niemals einschränken lassen und diese in spielerischer Weise aufbrechen, um sie gleichsam zu "verflüssigen". Rainer Splitts Arbeiten bündeln die Traditionen der vergangen geglaubten Moderne, um sie für die Gegenwart als präzise künstlerische Setzungen in erfrischend neuer Gestalt wiederauferstehen zu lassen.
Konrad Bitterli |
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| Getauchte Tafel. 1998, Pigment, Alkydharz, Acrylglas, 150 x 150 cm | |
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