Gaspare O. Melcher 'The Roswell Symbols'
Ausstellung vom 24.11. 1998 - 9.1. 1999
Eröffnung: Galerienwochenende 21./22.11.1998, 11.00-17.00h
Vorwort zu "Roswell Symbols"

Auseinandersetzung eines Malers mit den Roswell Symbolen.


Mit seinen künstlerischen Strategien hat sich Gaspare 0. Melcher seit jeher gegen den Mainstream gerade aktueller und scheinbar innovativer Tendenzen gestellt, was sich sowohl in der Retrospektive wie vor allem vor dem Hintergrund der heutigen, unverbindlichen anything goes-Mentalität der Postmoderne ungewöhnlich wohltuend ausnimmt. Verschiedentlich äusserte sich Melcher programmatisch über die Kunst und ihre relevante Funktion in unserer Gesellschaft. So wies er 1978 in seiner Rede an abwesende Personen mit Nachdruck daraufhin, dass "das Bild zuerst als ein Mittel des Denkens und der Wirklichkeitsverarbeitung und erst in zweiter Linie als Malerei aufzufassen ist."

Ausgehend von Symbolen und Schriftzeichen alter VöLker entwickelte Melcher bereits während seines Aufenthalts in Amsterdam (1971-75) eine Bildsprache aus Grundzeichen, die akkumulativ sowie in horizontalen und vertikalen Strukturen angelegt wurden (Zehnerserie). Trotz der sinnlichen Präsenz und dem malerlschen Gestus, die den Werken eigen sind, ging es nicht "um die Verarbeitung der Form unserer divergierenden Wirklichkeiten, sondem vor allem [um] deren Inhalte".
Melcher konziplerte eine kommunikative Zeichensprache, die es ermöglichen soll "das anarchische Chaos vielschichtiger Wirklichkeiten in den Griff zu bekommen".
Das symbolhaltige Zeichenvokabular - die sogenannten Ideogramme - erwies sich für das ganze nachfolgende Schaffen als überaus tragfähig. Entscheidende Impulse bezog Melcher dabei aus der Auseinandersetzung mit dem fragmentierten Erzählstil der italienischen Kunst des Trecento sowie von den Phänomenen der Alltagskultur wie den italienischen Comics, den Fumetti, deren narrativen Erzählstrom er mit seinen Ideogrammen übermalte. Die Arbeiten Finestra per Lucifera (1978-1980) zeigen, wie die künstlerischen Mittel auf genau reflektierten inhaltlichen Absichten aufbauen. 1983 schloss Melcher die Fumetti-Bearbeitung mit der vielteiligen Linolschnitt-Folge Faust Sonder ab. Mit der Zeit wurde das "Kommunikationsnetz" verstärkt von Figurativem bestimmt. Mit den Werkgruppen Theorema und Stephen Gray erreichte der Künstler Mitte der achtziger Jahre gewissermassen eine malerische Synthese, indem sich der freie, spontane Malgestus mit den Zeichen und Rastern zu einer spannungsreichen Bildstruktur untrennbar verband. Das immense Zeichenvokabular wurde schliesslich als eine Art Bilanz zur mehrteiligen, monumentalen Radierung La forza dell'elevazione (1992-94) zusammengefasst. Seit 1993 kreiste Melchers Malerei um eine Thematik, die er mit einem Zitat von Ezra Pound umschreibt: Duccio came not by usura (Canto XLV), bis diese Werkgruppe von der aktuellsten Auseinandersetzung mit den Roswell Symbolen ihre konsequente Fortführung fand.

Beat Stutzer

Gaspare O. Melcher: 'The Roswell Symbols. 1997/98, Collage, 95 x 95 cm

Gaspare O. Melcher: 'The Roswell Symbols. 1998, Tempera auf Leinwand, 95 x 130 cm

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