| aus: Claudia Jolles; "Barbara Mühlefluh" (ed. Castel - Burio - Arte)
Aus Arbeitsgesprächen mit Barbara Mühlefluh |
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| Die offene Form des folgenden Textes verweist auf die Absicht das Spontane, Unmittelbare der Gespräche und Diskussionen mit Barbara Mühlefluh wiederzugeben. Es sind Antworten und Überlegungen zu Fragen, welche sich jedem jungen) Künstler stellen; Gedanken zur Entstehung der eigenen Arbeit, zu Impulsen, Umfeld, Standort, Material etc. | ||||||
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| Zuerst ist da immer eine Idee, die mich interessiert. Es kann ein Wort, ein Witz, wie etwas steht oder liegt, ein Film, mein Atelier, ein Haus, das Tram usw. sein. Ich brauche irgendeinen Anfang. Der Anlass etwas zu tun, ist von Arbeit zu Arbeit verschieden. Die Materialien dienen dazu, die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Etwas zu lenken. Gips hat eine andere Wirkung als Polyurethan oder Silikon und reagiert anders; der Betrachter reagiert anders. Eine Wand aus Schokolade ist etwas Anderes, als eine aus Gips oder Polyurethan. Wobei ich es eigentlich hasse mit Gips zu arbeiten. Er ist schmutzig, man wird staubig, er setzt sich überall fest. Nur Zement ist noch schlimmer. Aber er ist preiswert. Ich muss mir ja meine Arbeit leisten können. Es ist ein Werkstoff dem ich jede Form geben kann. Ich kann mir vorstellen auch mit Marmor, Film, Fotos, Zement usw. zu arbeiten. Material ist das, was der Betrachter zuerst sieht, die Struktur, die Farbe, die Grösse. Eine erste Beschreibung ohne interpretieren zu wollen, findet über das Material statt; das was man sieht. Es kann 'abstossend' oder 'anziehend' sein. Eine kleine Arbeit fordert eine andere Art der Aufmerksamkeit, als eine grosse.
Meine Arbeit ist wie ein 'Teilchenbild' (vergleichbar einer Rasterung, die erst in einer gewissen Distanz ein Gesamtbild erzeugt). Sie bietet Anhaltspunkte und soll mit möglichst vielen Informationen für verschiedene mögliche Lesarten aufgeladen sein. Jede Arbeit soll für sich stehen und als Objekt oder als Skulptur in sich geschlossen sein. Ich muss mich von Arbeit zu Arbeit neu orientieren, neue Lösungen suchen. Einen Tag auf einem Parkplatz zu verbringen kann unter Umständen spannender sein, als einen Tag im Atelier. Die Emotionen die sich entladen, wenn sich zwei Automobilisten streiten...um einen Parkplatz. (Es soll auch schon blutige Nasen gege ben haben). Wo finden die Emotionen in der Kunst statt? Im Atelier oder in Ausstellungen, in der Zeitung, bei Diskussionen; wer hat wann und wer wieso nicht? Zuschauer haben es gut. Es ist nicht möglich, einen klaren Kopf zu behalten, zu sehr ist man in eigene Muster verstrickt. Die Lösung gibt es nicht, es soll sie auch nicht geben. Erfahrungen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Hunger und Durst sind sicher etwas, das von Allen gleich unangenehm empfunden wird. In der Kunst ist das anders. Was für mich spannend ist, gilt nicht zwingend für den Rest der Welt. Kunst ist 'freiwillig', kein Pflichtstoff. Es muss mich schon sehr packen, um eine Arbeit wirklich fertigzustellen. Ich muss davon überzeugt sein und alle Zweifel für einen Moment ausschalten können. Die Arbeit hat ja immer etwas Persönliches, Subjektives; man zeigt etwas von sich, man tastet sich mit seinen Gedanken an Probleme heran. Der Körper ist ein Mass, das jederzeit präsent ist; ein Werkzeug, ohne das ich nicht arbeiten kann. Er ist das, was wahrnimmt, denkt und fühlt. Ich kann den Korper nicht von der Arbeit trennen. Etwas zu formulieren, dass keine Missverständnisse aufkommen ist schwierig. Sollen Arbeiten erklärt werden? Wieviel Sprache braucht es, wenn es um das Sehen geht? Ist Sehen in unserer auf Kommunikation ausgerichteten Welt überhaupt ein Thema? Wer ausser Künstlern und Kunstlerinnen betrachtet Kunst ? Wenn mich jemand fragt, was ich denn genau tue, kann ich keine Antwort geben, bei der man sich dann vorstellen kann, was ich tue. Die Arbeit setzt sich aus mehr als einem Aspekt zusammen. Wörter interessieren mich zurzeit mehr als Sätze, sprachliche Missverstandnisse (das Zwei- und Mehrdeutige) interessieren mich. Ein Wort sagt nichts aus über die genaue Beschaffenheit von Etwas; es gibt bloss die Richtung an. Sehe ich mir ein Kunstwerk anders an als eine Autobahn?... Mit dem Begriff 'junge Kunst' kann ich nicht viel anfangen. Kunst ist Arbeit auch ohne das genaue Ziel zu kennen; ein Angebot an den Betrachter. Ich glaube nicht, dass meine Arbeit wunsch- oder zielgerichtet ist. Ich könnte es mir einfacher machen, wenn sie das wäre. vgl. auch: |
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