Schaufenster zur Galerie

Daniel Robert Hunziker, Barbara Mühlefluh, Mario Sala, Daniel Schibli

Martin Kraft zur Ausstellung vom 28.3. 1998 - 23.5. 1998

Vier junge Schweizer Kunstschaffende wurden zu Arbeiten im Raum aufgefordert. Entstanden ist ein spannungsvolles Ineinander von sehr unterschiedlichen Interventionen in der dritten Dimension.

Wie reagiert man auf den Raum einer Galerie? Indem man ihn mit wachen Augen begeht. Oder auch nur seine Begehbarkeit reflektiert: Daniel Robert Hunziker, der sich seit jeher mit alltäglich-ungewöhnlichen Raumerfahrungen befasst, hat in die Wand der Galerie ein Fenster eingebaut. Dieses erlaubt, doppelseitig verglast und mit einem transparenten Vorhang dazwischen, je nach Tages- und Kunstlicht stets wechselnde Einblicke in den Raum beziehungsweise in den von der Galerie aus überblickbaren Korridor: Schau-Fenster in einem erstaunlich wörtlichen Sinne. Den Raum, der sich hier für von aussen Kommende so geheimnisvoll präsentiert, hat Barbara Mühlefluh mit ihrer "Passage" klar konturiert: Sie hat mit porös wirkenden, aufeinandergestellten Platten eine Passage gestaltet, die durch die unterschiedliche Höhe der Wände irritiert. Die Steine markieren einen Teppichweg, der im Büro der Galerie endet und die konventionelle Möblierung mit schwarzen Ledersesseln und Sofa im wörtlichen Sinne unterläuft. Anstelle des Büros könnte die Installation auch ein beliebiges anderes Interieur markieren. Daniel Schiblis alternatives Gartenhaus stellt dann unter dem Motto "Das Eine und das Andere" alle herkömmlichen Raumerfahrungen in Frage: Die überlange Türe, die seinen unkonventionellen Bau in zwei Teile trennt, würde auch dann, wenn sie sich tatsächlich bewegen liesse, keinen Zugang in ein Inneres erschliessen: ein höchst gefährdeter Innenraum - das Fehlen des schützenden Dachs unterstreicht dies.
Mario Sala hat unabhängig voneinander drei Arbeiten im Raum postiert und damit dessen spannungsvolle Dialektik akzentuiert. Drei Werke hat er geschaffen, die erst in diesem räumlichen Kontext ihren Sinn gewinnen: Mit federndem Schwung betritt man den Galerieraum, wenn man die Schwelle, diesen ganz unerwarteten Störfaktor, überschritten hat. Auch von erhöhter Position gewinnt man keinen Ausblick aufs Ganze. Zwei weitere Türen, die funktionslos den Eingang flankieren, bleiben in ihrer Materialsinnlichkeit in ungreifbarer Distanz. Ein "Podest für Schwimmer" ironisiert als besteigbares Objekt die Posen derer, die darauf ihre Triumphe feiern.

MARTIN KRAFT
in Züri-Tip 17, 1998

 

Daniel Schibli, "Das Eine und das Andere", 1998, Holz und Kaseinfarbe, 215 x 370 x 185 cm

Mario Sala, "Podest für Schwimmer", 1998, Holz und Dipersionsklebemasse, 150 x 50 x 40 cm

Barbara Mühlefluh, "Passage", 1998, Spannteppich und Gasbeton, 20,5 x 2 x 1 m

Daniel Robert Hunziker, "Schaufenster", 1998, Glas, MDF, DD-Lack, Stoff,Neon, 220 x 275 19 cm

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